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oho was ist denn das ein ohr 

Anja Zag Golob

oho was ist denn das ein ohr 
            ich schneide es mir ab taub für alles verschenke ohrringe 
            alte geste die ich nur wiederhole knabbere am knorpel
            der nicht schmeckt lutsche mein ohrläppchen züngle ins loch 
            doch bringt es nicht das gleiche wie bei anderen schmeckt nicht 
            mein finger pult im gehörgang pult schmalz
            pult unterm schmalz gänge in den schmalz
            hammer amboss schnecke trommelfell steigbügel 
            so falte so polier es so reih es vor verschmierten aug auf 
so ist das zerlegte ohr


Anja Zag Golob wirft sich in einer kleinen Gedichtserie buchstäblich auf die Sinnesorgane. Der Zyklus ist sowohl in „Anweisungen zum Atmen“ als auch in „dass nicht“ abgedruckt und er frönt einer verdrängten Lust, die dem Schmerz nicht ausweicht, sondern es mit dem Körper und jenen Organen aufnimmt, die uns die Welt vermitteln, uns mit ihr verbinden, mit Auge, Ohr, Nase, Zunge, Finger, Sinn. Es geht so gesehen um nichts weniger als „alles“. Anja Zag Golob ist eine poetische Existenzialistin und in ihrer Dichtung wird im grundsätzlichen und besten Sinne kindlich und pubertär, anarchisch und poetisch genau zerlegt und erkundet, was selbstverständlich erscheint, um erkennbarer zu machen, was uns (mit)begründet. Was ist unser Ohr? Was ist ein Ohr? Oho, was ist das???

Anja Zag Golob: Anweisungen zum Atmen. Gedichte. Aus dem Slowenischen von Urska P. Černe und Uljana Wolf. Wien: Edition Korrespondenzen 2018, S. 66. 

Anja Zag Golob: dass nicht. Aus dem Slowenischen von Liza Linde. Wien: Edition Korrespondenzen 2022, S. 9.

Anja Zag Golob nimmt am 20.4.26 ab 19 Uhr beim Lyrikfestival „Dichterloh“ in der Alten Schmiede an einer Podiumsdiskussion zum Thema „Das Anarchische in der Dichtung“ teil (gemeinsam mit Ulf Stolterfoht, Steffen Popp und Michael Hammerschmid)

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