Als wir vor einer Woche unsere Poetinnen und Poeten zum Welttag der Poesie am 21. März zur Einsendung von nagelneuen, unveröffentlichten und KI-freien Gedichten über unsere Social Media-Kanäle und Newsletter aufriefen, hatten wir nicht mit dem Eingang von so vielen Gedichten gerechnet. Das ist wunderbar und zeigt, wie „trendy“ Lyrik aktuell ist. Da wir aufgrund der großen Textmengen nicht in der Lage sind, alle Gedichte auf unserer Webseite zu veröffentlichen, posten wir mit freundlicher Genehmigung der Autor*innen eine Auswahl von 10 Gedichten. Die Reihenfolge der Gedichte spiegelt keine Wertung wider, sondern ist rein zufällig gewählt. Alle Dichterinnen und Dichter, die wir heute nicht berücksichtigen konnten, bitten wir darum, noch ein wenig Geduld zu haben. Wir werden bestimmt in absehbarer Zeit wieder um eure Einsendungen bitten.
Jane Wels
Wir begegnen uns in diesem Raum aus Lassen. Du: ein Quant Welle, Ich : Licht ohne Masse. Wir atmen uns. Von hier aus gesehen, zeitverrückt, impulsive Teilchen.
Karin Seidner

Christl Greller
poesie der niederlage lass uns darüber hinweglieben auf moos, in knarrenden betten mit fingern wie junge triebe. das leise glockenspiel, verzerrt in der ferne verklingend. deine stimme nimmt mich in den arm: ein flügelleichter start – hinaus ins ungefähre. ich spreche leise, suche keine antwort, nur die fragen. der himmel seifenblasenfarben in der stille des nichts.
Lucia Mennel
Freiheitsmonolog ohne mit der wimper plötzlich nackt zuckt stolz und frech frisch aus dem bett das lachen wie geschossene pfeile das personal erstarrt im blicken lange haare wallen dunkel über weiße brüste auf den hüften provozieren jung und adrett gespreizte finger entsetzt hetzt herbei die not mit dem hammer ohne mit der wimper weiter fort zuckt der monolog in die freiheit
Rudolf Kraus
Wolke von unten schaut der abgrund gar nicht tief aus sprach aus dem wassertropfen die wolke die sie einmal war
Elisabeth Wandeler-Deck
ungemilbt umbildert ein bild ein lid fein gesilbt gegliedert listig in lange listen aufgeführt in listen
Patrick Sabbagh
TROPISCHE GERÜCHTE Wir schrammen gegen Grate im klammen Schein gezimmerter Schreine worin die Gräten eingeschworner Kimmerer kommod modern. Schon betrei- ben wir der Moderne Demontage und sind dennoch nicht bereit für den Schongang. Der Montage Versprechen verhallen zu schnell gegen die Verbrechen von morgen. Muss ich die Hutschnur enger schnall- en vor zu verhehlnden Morden? Noch zehrn wir vom vorletzten Wunder der mit Vorsatz verletzten Götter doch deren verätzte Wunden lehren die Spötter letztlich Mores.
Cornelia Becker
ich stopfe die Löcher der Zeit mit grobem Garn aus Gras und Stroh wachse ich in mich hinein will nicht mehr über mich hinaus verstecke mich in meinen Körperkerben wenn ich schwächer werde tue ich so als ob … gieße Wachs in meine Hautlappen vernähe die Fäden in meinem Gesicht ziehe mein struppiges Fell hinter die Ohren ich nähe und nähe nähre mich vom Warten und meide die Nähe ich verbessere den Hohlsaum an den Rändern meiner Aufmerksamkeit vergesse das Lachen und meine Brille im Haar webe das Jahrhundert in meinen grauen Zopf der immer weiterwachsen will Binsenweisheiten im Gehirn Scherben und angeschlagene Tassen vergilbten Atlanten entnehme ich gepresste Worte und Orte Motten fressen Löcher in meinen Verstand Alexa erinnert sich an meine Lieder wirft mir Melodien und Stimmen zu noch fange ich sie auf wiege mich in meinen Armen schließe die Augen bis ich schlafen kann
Martin Winter
DU HOL DIE KUNST du hol die kunst ich brüh sie auf und geb ein bisschen milch dazu ist sie kakao ist sie kaffee ein bisschen wohl von allem halt und manchmal licht
Chun Sue
WILDE BLÜTEN Ich bring meinen Bub in die Schule und diese wilde Blütenstaude springt in meine Sicht. Rote Zwetschkenknospen, voll aufgeblüht, grünes Blatt, gelber Stempel irrsinnig schön. Diese Staude hat es nicht leicht, auf einem kleinen unbeachteten Fleck an einem Parkplatz. Dürres Laub und Müll, den die Leute hinwerfen. Sie war von einem Eisenzaun abgedrückt, bis auf den Boden. Ich wollte ihr helfen und habs nicht geschafft. Heute schaut sie ganz anders aus! Sie hat sich aufgerichtet, der Zaun ist nicht mehr zu sehen. Sie ist erschütternd schön. Ich muss sie fotografieren. Ich sag mir: Egal in welcher Situation, wir wollen nur blühen. 春树 送馅饼上学 这株野梅花 一下子跳进了我的视线 红色的梅花 正在盛放红花 绿叶黄蕊漂亮极了 它的生长环境极其糟糕 那是停车场旁边 无人注目的一小块空地 落满枯叶和路人扔的垃圾 它曾被铁栅栏压倒 匍匐在地 我想帮它却不得其法 今年看到它 完全不一样了 它已经直起了身子 铁栅栏也不见了 它美得让人精神一振 我忍不住给它拍了一张照片 告诉自己:不管什么环境 我们只管开花 春树 送馅饼上学 这株野梅花 一下子跳进了我的视线 红色的梅花 正在盛放红花 绿叶黄蕊漂亮极了 它的生长环境极其糟糕 那是停车场旁边 无人注目的一小块空地 落满枯叶和路人扔的垃圾 它曾被铁栅栏压倒 匍匐在地 我想帮它却不得其法 今年看到它 完全不一样了 它已经直起了身子 铁栅栏也不见了 它美得让人精神一振 我忍不住给它拍了一张照片 告诉自己:不管什么环境 我们只管开花
Aus dem Chinesischen übertragen von Martin Winter